Meine Kurzgeschichten 2000 - 2005

BlumenfeeIch schreibe of kurze (oder auch längere) GEschichten aus Langeweile, oder weil mir gerade ein genialer Gedanke durch den Kopf ging, den ich versuche, zu Blatt zu bringen. Es ist jetzt nicht unbedingt Pulitzer Preis verdächtig, aber vielleicht gefällt es ja jemandem :) Viel Spaß!

Tag & Nacht

Die Sonne berührt den Horizont.
Fast.
Es scheint eine Ewigkeit zu vergehen
Ehe Erde und Sonne sich berühren.
Doch kaum ist der erste Kuss erfolgt,
Verschwindet die Sonne.
Schnell, rot, wie das glühende Blut der Erde.

Und die Erde ist wieder einmal in rote Dämmerung gehüllt.
Bis sich die Nacht mit ihren zahllosen Freudenfeuern
Gierig auf die noch glimmende Himmelslinie stürzt,
Und auch das letzte Glühen mit ihrer Finsternis verschlingt.

Wenn dann die Dunkelheit
Ihren Schleier bis in den letzten Winkel über die Erde legt,
Wird es still.
Der Mond,
Feind und zugleich Geliebter der Sonne,
Füllt nun Wiesen, Täler und Seen
Mit seinem matten Schimmer.

Seine Kinder tanzen schon in frohem Reigen
Über das nächtliche Feld

In den summenden und brodelnde Herden der Städte
Ist keine Stille.
Des Mondes matter Schimmer erreicht sie nicht.
Hier tanzen auch des Himmels Kinder nicht gern

Zu hell und zu laut
Ist den Sprösslingen der Sonne und des Mondes
Das nächtliche Treiben.

Wo der Himmel,
Gleich der Dämmerung und dennoch anders,
In Höllenlicht getaucht ist.
Nein, hier tanzen sie nicht gern.

Doch über den Dächern im Dorfe
Und der einsamen Waldhütte,
Da feiern sie ihr Fest
Bis der Vater sie wieder zu sich ruft.

Denn er weiss, bald wird er wieder vertrieben
Von der großen, sengenden Hitze der Mutter.
Und das Licht des Tages wird erneut die Erde erhellen,
Bis es die Dunkelheit aufs Neue verschlingt.

Denn so ist der Kampf, das Spiel,
Von Sonne und Mond:
Sie sind Rivalen
Siegen und Unterliegen gehört zu ihrem Tanz.
Aber wenn sie sich treffen, dann lieben sie sich.
Doch alles im Stillen, im grauen Licht der Finsternis.
Und keiner vermag dies zu sehen

© by Laura Scheriau, Sommer 2003